Winterschutz für Rhododendron

Der Rhododendron ist ein sehr vielseitiges und anpassungsfähiges Gehölz. Er kommt in vielen verschiedenen Formen in unzähligen Arten in allen Teilen und Klimazonen der Welt vor. Von Berghängen in einigen 1000 m Höhe bis zum tropischen Dschungel ist alles dabei. Das heißt natürlich auch, dass einige mehr, andere weniger gut oder gar nicht für das hiesige Klima geeignet sind. Es ist eine schier unendliche Vielfalt an Sorten und Arten auf dem Markt, alle zumeist gut bis sehr gut winterhart.

Um den Winterschutz richtig zu betreiben sollte man zuerst auf die Pflanze selbst schauen um zu beurteilen welcher Schutz und ob überhaupt ein Schutz notwendig ist. Die Auswahl des richtigen Rhododendron für den geplanten Platz im Garten ist wichtig. Ebenso entscheidend ist es, das Klima vor Ort zu beurteilen, denn eine Pflanze in Norddeutschland überwintert anders als im Süden.

Wie schon erwähnt benötigen die meisten verkauften Rhododendron bei uns  keinen Schutz im Winter, weil sie ausreichend robust sind. Doch kann es auch sein, dass eine sonst gut winterharte Sorte an einem ungünstigen Standort weniger hart ist und eventuell geschützt werden muss. Dies gilt es vor Ort im Garten einzuschätzen bzw. über die Jahre hinweg zu beobachten.

Es gibt sie aber auch, die Sorten und Arten die einen Schutz benötigen um hier optimal zu überwintern. Viel lässt sich erreichen wenn die Pflanze einen geschützten Standort bekommt. Also geschützt von Wind und Sonne durch andere Gehölze oder Bäume. Reicht dieser Schutz bei der Sorte nicht aus, wird es notwendig zusätzlich etwas zu tun. In der Baumschule verwenden wir häufig Schattennetz und Wintervlies um die Rhododendron vor den Wintereinflüssen zu schützen. Das Schattennetz soll gegen Sonne schützen und den Wind etwas bremsen, das Vlies vor Sonne und Wind. Im Garten können diese Materialien verwendet werden, aber teils erfüllen auch schon Koniferenzweige, über die Pflanze gelegt, diesen Zweck ausgesprochen gut.

Die immergrünen Rhododendron verdunsten auch im Winter Wasser. Sobald die Sonne sich zeigt und die Temperaturen zumindest kurzzeitig in die Höhe steigen, fährt die Pflanze den Stoffwechsel hoch, also auch die Verdunstung. Das Problem ist nur, dass oft im Winter zwar schöne Wetter keine Ausnahme ist, aber  zumeist der Boden dann noch gefroren ist. Die Blätter beginnen also mit der Arbeit und „schwitzen“ tüchtig vor Anstrengung, die Wurzeln haben aber gar nicht die Möglichkeit Wasser aus dem Boden nachzuliefern. Wenn das zu lange so geht, sitzt die Pflanze schnell auf dem trockenen und leidet. So also würden wir bei sonnigen Winterwetter Joggen gehen und solange die Sonne scheint auch weiterlaufen. Der Durst kommt bestimmt! Bei den Rhododendron, aber auch allen anderen Immergrünen ist das genauso und führt zu Trockenschäden z.B. an den Blättern, im schlimmsten Fall zum Vertrocknen der gesamten Pflanze. Es ist die häufigste Ursache für Winterschäden.

Um dem entgegenzuwirken schattiert man die Pflanze im Winter um sie vor Stress und unnötiger Aufregung durch Sonnenstrahlen zu schützen. Ich würde, falls vorhanden, Koniferenzweige nehmen um  grob zu schützen. Ist die Pflanze dann doch empfindlicher würde ich das Schattennetz empfehlen, bei wirklich empfindlichen Exemplaren das Vlies.

Das Vlies hilft auch gleichzeitig gut, um sehr tiefe Extremtemperaturen abzumildern. Etwas 5°C Temperaturunterschied schaffen gute Wintervliese. Klingt erst einmal nicht viel aber ob -20°C oder -25°C ist nicht nur auf dem Thermometer, sondern auch fühlbar ein Unterschied. Fallen die Temperaturen zu stark,  kann auch direkt der Frost einen Schaden an der Pflanze verursachen. Die Flüssigkeit in der Pflanze ist nur für eine bestimmte Temperatur ausgelegt, so wie der Kühlerfrostschutz im Auto. Vor diesen Extremen gilt es im Notfall den Rhododendron zu schützen, dafür ist das Vlies gemacht. Übrigens isoliert auch Schnee hervorragend! Es schützt vor Sonne und Kälte.

Die Sonne und die Kälte sind jeder für sich nicht unbedingt lebensbedrohlich für die Pflanze, spielen die Zwei zusammen kann es gefährlich werden.

Nichtsdestotrotz sind Rhododendron bei uns in der Regel gut winterhart. Es gibt sicher auch Ausnahmen aber die sollten auch entsprechend mit der Empfehlung für Winterschutz angeboten werden. Und eigentlich haben Rhododendron auch ein ausgeklügeltes System, sich selbst vor dem Winter zu schützen. Gesehen haben wir sie sicher alle schon einmal, wenn auch vielleicht nicht als solche wahrgenommen.

Fallend die Temperaturen unter den Gefrierpunkt rollen viele Sorten ihr Laub ein. Manche früher manche später, einige mehr andere weniger. Der Sinn und Zweck ist bei allen der Selbe. Sie möchten sich vor dem Wind und der Sonne schützen. Sie  bedecken die Blattunterseite an der die großen Öffnungen  für den Wasseraustausch liegen und schützen sie so vor dem Wind. Sie reduzieren die Blattoberfläche um möglichst wenig Sonne ab zu bekommen und dadurch weniger zu verdunsten. Ein sehr simpler Trick, der vielleicht nicht immer so schön anzuschauen ist, aber sehr effektiv den Rhododendron schützt.

Bei vielen Yakushimanum Hybriden schützt das Indumentum, ein filziger Belag auf der Blattunterseite, das Laub vor Verdunstung. Auch hier werden die Spaltöffnungen auf der Unterseite geschützt. Das Prinzip funktioniert wie die Gänsehaut beim Menschen. Haben wir uns zu dünn angezogen reagiert der Körper und stellt die Härchen auf. Sie sollen die Luft am Körper halten, damit weniger Wärme verloren geht. Das Indumentum sind viele kleine Härchen die das Blatt vor Wind und Kälte schützen sollen wie ein Pelz. Dieser filzige Belag ist bei einigen Sorten auch auf der Blattoberseite mehr oder weniger stark vertreten. Hauptsächlich soll er aber vor der brennenden Sommersonne schützen und ist bis zum Herbst oft schon abgewaschen. Ist er auch im Winter noch vorhanden, schützt natürlich auch er im Winter die Pflanze vor der Sonne.

Nicht von der Pflanze, sondern vom Wetter beeinflusst ist der Schnee. Auch er schützt die Pflanze vor dem Winter und ist nicht nur ein optimaler, sondern auch ein kostenloser Schutz. Nur die Zuverlässigkeit lässt leider oft zu wünschen übrig.